szmtag
2006-12-05 10:14:10

Windows Media Player 11 – König unter den Mediaplayern?

Mit der Freigabe des Windows Media Player 11 hat Microsoft seinem hauseigenen Medienplayer das lange erwartete Facelift verpasst. Der neue WMP soll nicht nur mit einer übersichtlichen Benutzeroberfläche glänzen, auch soll er in funktioneller Hinsicht seine Konkurrenten übertrumpfen.

Doch hat der WMP11 wirklich das Zeug zum Platzhirschen? In unserem Vergleich muss er sich gegen Foobar 2000, Winamp 5.32, VLC 0.8.5 und iTunes 7.0.2.16 beweisen. Da sich die Kandidaten teilweise drastisch in ihrer Funktionsfülle unterscheiden und einzigartige Stärken haben, ist kein objektiver Bewertungsmaßstab anzulegen. Vielmehr möchten wir die Features der einzelnen Probanden beleuchten.

Windows Media Player 11

War Microsoft früher darauf bedacht, den Windows Media Player unter möglichst viele Menschen zu bringen, so wird manch ein Nutzer einer nicht lizenzierten Windowskopie bei der Installation des WMP11 sein blaues Wunder erleben. Der neue Media Player führt bei der Einrichtung einen Genuine Check durch und kann nur dann genutzt werden, wenn das installierte Windows als "rechtmäßig erworben" identifiziert wurde. Nach dem ersten Start überrascht die 11er Version mit einer übersichtlichen Nutzeroberfläche.

Alle Funktionen lassen sich auf einen Blick einsehen und erreichen, von der aktuellen Playlist, über die Medienbibliothek bis zum Brennmodul. Der WMP11 gibt schon einmal einen Ausblick auf das kommende Vista, das alle Unterhaltungsmedien (Video, Musik und Bilder) zusammenführen soll. Er beherrscht neben der Wiedergabe von Musik und dem Streaming dieser auf UPnP AV-fähige Endgeräte wie der Xbox auch die Verwaltung von Fotos.

Über den Menüpunkt "Von Medium kopieren" lassen sich CDs in verschiedenen Formaten und Bitraten auf dem Rechner speichern. Das "Advanced Audio Fingerprinting" hilft beim Auffinden von fehlenden Albeninformationen, beispielsweise von Covern. Über einen Link zum MSN-Musikshop können neue Titel direkt gekauft werden.

Mediaplayer;
Die aufpolierte Oberfläche des neuen Windows Media Player

iTunes 7.0.2.16

Der mächtigste Gegner für den WMP11 ist wohl Apple's iTunes. Mit dem iPod hat sich der iMac-Hersteller nicht nur eine fast marktbeherrschende Stellung bei MP3-Playern erarbeitet, das hauseigene iTunes wird auch immer wieder gerne als Paradebeispiel dafür angesehen, dass sich das Internet doch das Vertriebskanal für Musik eignet. Nach dem Start begrüßt iTunes 7.0.16 den Nutzer mit einer aufgeräumten Oberfläche.

Über die linke Navigation erreicht man die Bibliothek, die Medien sinnigerweise in Musik, Filme, Fernsehsendungen, Podcasts und Radio unterteilt. Bei der Musikwiedergabe lässt sich zwischen verschiedenen Ansichten wählen, in denen – je nach Modi - genaue Titelinfos und Cover eingeblendet werden. Über die "Partyjukebox"-Funktion lässt sich eine einfache Jukebox für die nächste Fete einrichten.

Songs können mit einem bis fünf Sternen bewertet werden, die Einfluss auf die Abspielreihenfolge nehmen (höher bewertete Titel rutschen in der Rangliste nach oben). Wer über einen iPod verfügt, kann komfortabel Songs synchronisieren, während die enge Anbindung an den iTunes Store dafür sorgt, dass fehlende Titel schnell nachgekauft werden können. iTunes kann diesbezüglich auch Vorschläge unterbreiten.

Mediaplayer;
Die unterteilte Medienbibliothek in iTunes

Winamp 5.32

Unter den Software-MP3-Playern darf sich Winamp 5.32 als der Klassiker schlechthin bezeichnen. Da er seit geraumer Zeit neben Audiodateien auch Videos abspielen kann, haben wir ihn in in den Vergleich aufgenommen – auch nicht zuletzt wegen seines nach wie vor hohen Beliebtheitsgrades. Die Winamp-Oberfläche ist optisch an eine Stereo-Anlage angelehnt, daran erinnert auch der Rack (Modul)-Aufbau. Während sich im oberen Teil die Steuerungselemente befinden, können im mittleren Abschnitt die Equalizer-Einstellungen vorgenommen werden. Im unteren Teil schließt sich die Playlist an.

Hinter Winamp steckt eine riesige Fan-Gemeinde, die ihren Player immer wieder mit neuen Plug-ins versorgt. Dadurch ergibt sich ein großes Maß an Flexibilität. Optisch lässt sich Winamp über die Skin-Technologie nahezu an jeden Geschmack anpassen. Es wird eine riesige Anzahl angeboten. Aber auch für seine große Auswahl an Visualisierungen ist Winamp bekannt. Viele Funktionen, beispielsweise das MP3-Encoding, sind jedoch unter der Oberfläche verbergen und nicht auf den ersten Blick einsehbar.

Mediaplayer;
Über den Winamp-Equalizer kann im Detail Einfluss auf den Sound genommen werden

Foobar 0.9.4.1

Obwohl es sich bei Foobar nicht um einen vollwertigen Medienplayer handelt, wollen wir ihn der Vollständigkeit halber nicht außen vor lassen. Die ressourcenschonende Freeware ist zwar ein reiner Audioplayer, das kann sie dafür aber richtig gut.

Neben den gängigsten Formaten wie WAV und MP3 werden auch Exoten wie IFF oder RAW AAC unterstützt. Erweiterte Tagging-Funktionalitäten ermöglichen es, die ID3-Tags von MP3-Dateien zu bearbeiten und sie so besser zu verwalten. Vor allem der geringe Speicherhunger von Foobar2000 ist erstaunlich: er benötigt annähernd nur die Hälfte des Arbeitsspeichers, den Winamp für sich beansprucht.

Mediaplayer;
Foobar2000 kann Audiodateien in viele Zielformate konvertieren

VLC media player 0.8.5

Diese Vorstellungsrunde möchten wir mit einem weiteren Geheimtipp abschließen. Der VLC media Player kann zwar auf den ersten Blick nicht mit einer Funktionsvielfalt wie der des WMP11 oder Winamp aufwarten, seine wahren Stärken zeigen sich jedoch bei näherem Hinsehen. Bei seinen Fans ist VLC (Video Lan Client) als Allesfresser beliebt, mit dem fast jedes Audio- und Videoformat gelesen werden kann. Selbst Videos, die beschädigt sind, spielt er ohne Murren ab, während die Konkurrenz längst das Handtuch geworfen hat. Zudem unterstützt das Open-Source Projekt das Streaming von Multimedia-Inhalten über das Netzwerk.

Mediaplayer
Der VLC Media Player spielt auch unvollständige Videos ab

Von Andre Ghouse

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