Wie bereits berichtet, führt Deutschland als erstes EU-Land eine spezielle Notrufnummer zum Sperren abhanden gekommener Bankkarten, Mobilfunkkarten und anderer elektronischer Berechtigungen ein. Unter der Rufnummer 116 116 soll Mitte nächsten Jahres ein bundesweiter Sperrdienst eingerichtet werden, der aus dem Inland entgeltfrei erreichbar sein wird. Im Interesse von Sprach- und Hörbehinderten soll dieser Dienst auch faxfähig sein. Auch aus dem Ausland soll es möglich sein, die Rufnummer zu den normalen Verbindungskosten zu erreichen.
Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hatte am 20. Oktober das Zuteilungsverfahren eröffnet. Als Ausschreibungsgewinner wurde am heutigen Dienstag Sperr e.V. bekannt gegeben. Sperr e.V. ist ein Verein für Sicherheit in der Informationsgesellschaft und Partner der Initiative D21.
Bundesinnenminister Otto Schily, der die Projektidee als Schirmherr bis zum Ausschreibungsbeginn begleitet hat, erläutert den Hintergrund: "Der vermehrte Missbrauch gestohlener Karten macht es erforderlich, das Sperren der Karten so einfach wie möglich zu machen. Die Notrufnummer 116 116 wird weltweit die erste einheitliche Sperrnummer für elektronische Berechtigungen sein. Deutschland übernimmt damit eine Vorreiterrolle. Der Sperr-Notruf gewährleistet einen schnelleren und besseren Schutz bei Diebstahl und Verlust von Bankkarten, Handys und anderen elektronischen Berechtigungen."
Schily ermutigte ausdrücklich alle Banken, Kreditkartenunternehmen, Mobilfunkanbieter und andere Kartenanbieter sich dem Sperr-Notruf 116 116 anzuschließen. Je mehr Unternehmen diesen Service nutzten, desto effektiver sei der Schutz für die Kunden.
Allein für das Sperren von EC- und Kreditkarten existieren in Deutschland bisher mehr als 100 Servicenummern. Rund sechs Millionen Sperrungen werden pro Jahr in Deutschland vorgenommen, schätzt Sperr e.V. Berechnungen des Vereins zufolge könnten Schäden in Höhe von 40 Millionen Euro allein durch das schnellere Sperren der Zahlkarten und Kundenkarten verhindert werden.
Ab 1. Januar 2005 will Sperr e.V. mit den Vorbereitungen für die Inbetriebnahme beginnen. Ab Sommer nächsten Jahres soll dann die zentrale Sperrvermittlung bei Anruf der 116 116 die zuständigen Herausgeber der einzelnen Karten ermitteln können. Anschließend wird der Anrufende nacheinander mit deren Sperrdiensten verbunden. Hier muss sich der Hilfesuchende legitimieren; ein Missbrauch der Notrufnummer soll so ausgeschlossen werden. Die Sperrvermittlung soll rund um die Uhr erreichbar sein, eine vorherige Anmeldung oder Registrierung wird nicht erforderlich sein.
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