Am 13. Mai haben über fünfzig Interessierte aus Industrie, Politik und Forschung über "IT-Frühwarnsysteme in Deutschland" diskutiert. Dieser vom IT-Branchenverband Bitkom und vom Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufene Workshop behandelte die Problematik der zunehmenden Viranktivitäten - insbesondere im Hinblick auf die Einrichtung eines Frühwarnsystems, vergleichbar den Unwetterwarnungen der Wetterdienste.
Derzeit gibt es zwar einige Computer-Notfallteams (CERTs) in Behörden und Unternehmen, doch bislang wird zumeist nur reagiert, wenn ein neuer Virenangriff bereits gestartet ist. Der Aufbau eines Frühwarnsystems wird für dringend notwendig erachtet: "Denn bald ist ein bloßes Reagieren auf die inflationären Sicherheitsmeldungen nicht mehr möglich", stellte Günther Welsch klar, Projektleiter bei Bitkom und Sicherheitsverantwortlicher der Deutschen Telekom.
Das neue Warnsystem soll es ermöglichen, heraufziehende Viren- und Hackerangriffe nicht nur zu erkennen, sondern auch ganz neue Bedrohungen zu erahnen und die entsprechenden Fachleute in den CERTs vorzuwarnen. Über diese neuen Planungen berichtet auch die Zeitschrift Computer Zeitung in ihrer Montagsausgabe.
Auch Paul Frießem, Forscher am Fraunhofer Institut für sichere Telekooperation, setzt auf die Möglichkeiten der Technik, die seiner Vorstellung nach in den ersten Schritten automatisch ablaufen sollte, da die Komplexität der Technik nicht mehr zu durchschauen sei. Zur Analyse müsste das Frühwarnsystem Netzdaten sammeln und über selbstlernende Algorithmen auswerten. Allerdings sind entsprechende Simulationsmodelle noch Zukunftsmusik, sie müssten erst entwicklet werden. Außerdem dürfte ein solches System immense Rechen- und Speicherkapazitäten verschlingen.
Bis Jahresende soll nach Informationen der Computer Zeitung intensiv geprüft werden, ob und wie ein solches System sinnvoll umzusetzen sei. Unklar sei beispielsweise, inwieweit Informanten aus Hacker-Kreisen oder sogar Geheimdienste einbezogen werden sollten. Auch sei es fraglich, wie die Frühwarnungen in konkrete Abwehrmaßnahmen umgesetzt werden könnten, da das ständige Einspielen von Sicherheitspatches viele Privatnutzer und Firmen schon jetzt überfordere. So wäre es zwar möglich, dass große Netzbetreiber beim Aufziehen eines Wurm-Orkans die benutzen Kommunikationskanäle sperren und so die Virenflut eindämmen. Nur: Rechtlich ist das bisher nicht zulässig.
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