Nutzer von so genannten Tauschbörsen, die Musik im Internet anbieten, müssen jetzt auch in Deutschland mit Rechtsverfahren rechnen. Wie Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, am Dienstag mitteilte, habe die deutsche Landesgruppe der IFPI und die von ihr beauftragte Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Rasch insgesamt 68 Strafanzeigen erstattet.
Nun ist offenbar Schluss mit lustig, auch wenn die teils markigen, teils klagenden Worte der Musikindustrie-Oberen seit Monaten und Jahren auch in deutschen Ohren klingen. "Es gibt in Tauschbörsen millionenfach illegale Musikangebote. Die Phonowirtschaft kann dem nicht mehr tatenlos zusehen, während der Musikabsatz stark einbricht. Wir gehen deshalb jetzt auch gegen diese illegalen Anbieter mit rechtlichen Schritten vor", begründete Gebhardt die Aktion.
Der deutsche IFPI-Ableger versucht seit Jahren Musikangebote, die auf Webseiten oder ftp-Servern basieren, zu stoppen. Bislang wurden den Angaben zufolge mehr als 4000 Personen in den letzten Jahren belangt, doch die Teilnehmer von Tauschbörsen blieben bis heute außen vor.
Mit dieser von der IFPI selbst so bezeichneten "ersten Klagewelle" wurde jedoch nicht gegen bestimmte Personen geklagt, sondern gegen unbekannt, und genau da liegt der Knackpunkt - und das Problem der Internet-Provider, weniger der IFPI.
Denn Anbieter in Tauschbörsen sind zunächst anonym und nur über ihre IP-Nummern (Internetadressen von PCs) von ihren Internetprovidern identifizierbar. Die Provider geben die Identitäten der betreffenden Nutzer aber nicht an die Rechteinhaber heraus, sondern nur an die Polizei oder an Strafvollzugsbehörden. Auf diese Weise sollen die Provider nun gezwungen werden, die Daten herauszugeben. Die Staatsanwaltschaft habe die Provider bereits zur Information verpflichtet und Strafverfahren eingeleitet, hieß es. Nach Kenntnis über die Identitäten wollen die Rechteinhaber dann Zivilverfahren einleiten und Schadensersatz geltend machen.
Ähnlich wie in Deutschland und in den USA wird auch in Dänemark, Italien und Kanada vorgegangen. Damit erreicht der Streit um Henne und Ei einen neuen Höhepunkt: Wer ist schuld an der Misere der Musikbranche? Sind es die Privatnutzer, die weitaus mehr CDs brennen als kaufen, oder ist es die Industrie selbst - mit unverhältnismäßig gestiegenen CD-Preisen, wie viele meinen, und mit neuen Kopierschutzsystemen, die derart effektiv sind, dass manche nagelneuen und legal im Laden erworbenen CDs nur auf bestimmten Playern laufen?
Tatsache ist in Zeiten von Superstar & Co - und damit behält die IFPI Recht: "Sinkende Musikumsätze gefährden die Möglichkeit der Musikfirmen, in neue Talente zu investieren, und beschränken so die Vielfalt der Musikkultur."
Im viel beachteten Rechtsstreit mit dem Internetportal Youtube hat die Gema Berufung eingelegt. Das Urteil geht der Rechteverwertungsgesellschaft noch nicht weit genug. Es war entschieden worden, dass Youtube Videos nach Beschwerden der Rechteinhaber löschen muss.
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