CD/DVD Shop » Various Artists, Roger Willemsen: 99 x Jazz - Das klingende Lexikon des Jazz (inkl. CD-Cover und Download-Links)
99 x Jazz - Das klingende Lexikon des Jazz
Ein kurzweiliges Lehrstück zum Thema
Jazz, zu seiner Geschichte, seinen Musikern, für Jazzfans ebenso gemacht wie für interessierte Laien oder Musiker: das ist
99 x Jazz. Die gesamte Zeitspanne, über die sich der Jazz bis heute entwickelt hat, soll besprochen werden, alle wichtigen Künstler und Stilistiken erwähnt, dazu noch ein paar geschichtlich relevante Aufführungsorte und eine ganze Reihe Fachbegriffe erläutert werden. Das ganze auf drei CDs. Man erwartet viel von Roger Willemsen, dem wahrscheinlich rede- und wortgewandtesten Autor und Moderator Deutschlands, der sich dieser Aufgabe angenommen hat. Das Ergebnis ist durchwachsen. Vor allem, weil für alles die Zeit fehlt. Roger Willemsens Moderationen sind gut; eine interessante Mischung aus Biografie, Musik, Zeitgeschichte, Anekdoten. Aber das meiste wird nur angerissen. Man brennt darauf, etwas zu hören, und dann kommt es nicht. Einige (wichtige) Künstlerkurzportraits bleiben trocken: Dizzy Gillespie, Ornette Coleman ? keine Musik. Knitting Factory ? die aktuellste avantgardistische Strömung, die Willemsen bespricht: kein Hörbeispiel. Das ist schlimm. Gut sind die Interviews, die er mit vielen Künstlern geführt hat, gut ist, dass englische O-Töne nicht übersprochen werden. Aber warum befragt er zum Thema Jazzgesang ausgerechnet Jamie Cullum und Lizz Wright? Warum werden Sarah Vaughan, Betty Carter oder Dianne Reeves nicht einmal namentlich erwähnt? Vielmehr bekommt Diana Krall als kommerzielles Zugpferd der 90er Jahre ganze 2?40 min, und Cassandra Wilson wird mit ihr im selben Atemzug genannt. Gut ist, dass Willemsen fast gänzlich ohne Fachsprache auskommt. Manchmal versucht er allerdings Erläuterungen, denen man als Jazzmusiker nicht folgen kann: hätte er Begriffe wie ?chase Chorus?, ?Off Beat? oder ?swing Feel? von Wynton Marsalis erklären lassen ? der hätte es innerhalb einer Minute anschaulich demonstriert. Die technische Aufbereitung der Produktion ist fragwürdig: Themen und Kapitel wechseln nüchtern und lieblos. Zum Eintauchen in eine eben noch von Willemsen geschaffene Athmosphäre bleibt keine Zeit ? meist wird man brutal herausgerissen. Alles zu kurz - den Großen im Jazz wird man mit 1?30 min. Moderation nicht gerecht. Und viele konnten gar nicht erwähnt werden: Joe Pass, Tony Williams, Paul Motian; die Liste ist lang. Stattdessen bekam, als krönender Abschluss der Trilogie, Till Brönner ein eigenes Kapitel. Für eine Abmoderation war dann auch kein Platz mehr. Fazit: eigentlich ein Superkonzept, an keiner Stelle langweilig und wirklich lehrreich. Aber 4 CDs statt drei hätten einige Erleichterung gebracht.
--Katharina Lohmannkeine Reviews